Lehrerkooperation im Kontext habitualisierter Abgrenzungspraktiken im inklusiven Unterricht

Ein Regressions-Innovations-Dilemma

Autor/innen

Schlagworte:

Lehrerkooperation, Inklusion, Lehrerhabitus, Abgrenzungspraktiken, brauchbare Illegalität

Abstract

Lehrkräfte stehen derzeitig unter der vielfach postulierten Anforderung ihren Unterricht inklusionsbezogen (weiter) zu entwickeln. Die Lehrerkooperation und die Arbeit in multiprofessionellen Teams gilt dabei als ein zentrales Merkmal und Gelingensbedingung für den inklusiven Unterricht (UNESCO 2005; Lütje-Klose und Urban 2014, Thurn 2019). Durch die organisationale Struktur von Schule ist diese Zusammenarbeit jedoch eher die Ausnahme; insbesondere ist in den Schulformen der Sekundarstufe eine Abnahme der Kooperation zwischen Lehrkräften zu verzeichnen (vgl. Kullmann 2010). Oftmals wird diese negative Entwicklung der Kooperation zwischen Lehrkräften der organisationalen Struktur von Schule zugeschrieben (Morgenroth 2015), die durch widersprüchliche Handlungsaufträge und divergente Verortungen in den antinomischen Spannungsfeldern des Lehrerhandelns bestärkt werden (Helsper 2018; Seitz et al. 2020). Im Rahmen der Erforschung habitueller Orientierungen von Mathematiklehrkräften in inklusiven Gesamtschulen und Fachleitungen des Sachunterrichts konnten jedoch ebenso ein unterschiedliches Fachkonzept sowie ein unterschiedliches Inklusionsverständnis selbst als Hemmnis für gelingende Zusammenarbeit identifiziert werden. Diese habitualisierten Handlungspraktiken sind insofern als relevant einzustufen, als dass diese handlungsleitend wirken, jedoch als vorreflexiv gelten (Bohnsack 2017; Bourdieu 1980) und damit unbewusst die Entscheidung für oder gegen kooperative Zusammenarbeit beeinflussen. Aus den vorliegenden Interviews konnten mittels der Dokumentarischen Methode unterschiedliche Praktiken der Abgrenzung zu Fachkolleg*innen wie Handlungspraktiken der Umgehung hinderlicher Organisationsstrukturen rekonstruiert werden, die in Kombination eine Kooperation - unabhängig von äußeren Rahmenbedingungen - verhindern oder befördern. Ausgehend von den rekonstruierten habitualisierten Handlungspraktiken der befragen Akteure und dem sich daraus ergebenden Regressions-Innovations-Dilemma werden im Beitrag Vorschläge zur professionellen Reflexion innerhalb der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften entwickelt, die künftig die Zusammenarbeit und Kooperation begünstigen können.

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Veröffentlicht

2021-12-31

Zitationsvorschlag

Reh, A., & Wilke, Y. (2021). Lehrerkooperation im Kontext habitualisierter Abgrenzungspraktiken im inklusiven Unterricht : Ein Regressions-Innovations-Dilemma. Zeitschrift für Inklusion, (4). Abgerufen von https://inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/607

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